20.06.2017

Verteidiger mit Zug zum Tor

Wie ein Siegburger Eishockeyprofi in der Schweiz wurde

Siegburg. Länger nichts gehört von Eishockeycrack Tobias Fohrler, aufgewachsen am Kleiberg, der in der Jugend das Trikot der Haie trug.

Mehrfach sind wir in der Vergangenheit seinen Kufenspuren gefolgt. Er ging ihn in die Schweiz, der Heimat seiner Mutter Corinne, wo er ein kleines Eishockeywunder beim traditionsreichen EV Zug erlebte. Es ist September 2016, als Tobias vor einem Training bei der zweiten Mannschaft des EV Zug von der erstmaligen Nominierung für das anstehende Training der ersten Mannschaft erfährt. Erfolgscoach Harry Kreis lässt ihn und einen weiteren Debütanten in der Kabine erscheinen. "Ich möchte nicht, dass sich im heutigen Training jemand von den etablierten Spielern wohlfühlt, habt ihr mich verstanden?" Das braucht er dem 196 Zentimeter großen und 103 Kilo schweren 19-jährigen, der das kampfbetonte Spiel liebt, nicht zweimal zu sagen. Tobias mischt auf Anhieb kräftig mit. Nach dem Training lobt ihn der Übungsleiter, fordert ihn auf, sich einen Anzug zu holen. Wie im Traum hört er die Worte: "Du fliegst morgen mit nach Helsinki." Damit ist sein erster Profi-Einsatz besiegelt. Es geht nach Finnland, um im Rahmen der Champions-Hockey-League das Rückspiel in der finnischen Hauptstadt zu absolvieren. Tobias spielt als rechter Verteidiger mit den Besten in der ersten Reihe. Sensationell steht es bei der Schlusssirene 4:1 für die Schweizer. Fohrler ist im Kader. Von da ein geht es Schlag auf Schlag. Es folgen fast 50 Einsätze bei den "Großen" (NATI-A), in einer der schnellsten Ligen der Welt, nicht selten gegen Könner mit Erfahrung in der nordamerikanischen National Hockey League (NHL). Im Finale gegen den SC Bern erzielt Fohrler vor 17.000 Fans in der größten Eissporthalle Europas sogar den Anschlusstreffer zum 1:4. Außerdem vermerkt sein Vita der Saison 16/17 noch folgende "Kleinigkeiten": Vize- A-Jugendmeister sowie Vize-Weltmeister gegen Weißrussland mit der Deutschen U 20-Nationalmannschaft. Fohrler hat bis 2019 bei der ersten Zuger Mannschaft unterschrieben, bezieht eine eigene Wohnung am schönen Zuger See und ist hungrig auf das Kommende. Die Eishockey-WM in Köln und Paris hat ihm gezeigt, dass er es in noch höhere Gefilde schaffen kann. Er spielte von 2009 bis 2013 bei den "Jungadlern Mannheim", wo auch die beiden Kölner Leon Draisaitl und Freddy Tiffels sowie Dominic Karhun den letzten Schliff bekamen. Bekanntlich sind alle drei Genannten mittlerweile Säulen der Nationalmannschaft. Wo diese erstaunliche Karriere begann? Auf dem Trerichsweiher des Brückbergs, wo Vater Thomas Getto seinem Filius einst mit den Gleitschuhen aufs Eis schickte.


20.06.2017 - Fohrler

Tobias Fohrler