21.03.2012

Jubelschreie auf dem Hochbett

Welt-Down-Syndrom-Tag: Zu Besuch bei Familie Winterscheid

Siegburg. Nur noch wenige Zentimeter, dann hat sie es geschafft. Hannah (6) reckt sich nach vorn, unter ihren nackten Füßen quietscht es.

Konzentriert klettert sie weiter. Jetzt ist sie oben. Leicht verschwitzt, aber überglücklich. Ihr Jubelschrei hallt durchs ganze Haus. "Mama, Papa, kommt schnell! Ich bin die Rutsche hochgeklettert!" Hannahs Erstbesteigung des Hochbetts liegt schon ein paar Tage zurück. Nach wie vor ist es Gesprächsthema bei Familie Winterscheid in der Bambergstraße. Hannahs Glücksmoment ging ein neunmonatiges Training voraus. "Es war toll für uns alle", blickt die Mutter nicht ohne Stolz zurück. Und ihre jüngere Tochter Emily (4) berichtet aufgeregt, dass sie es war, die der großen Schwester das Rutschenhochlaufen gezeigt hat. Hannah Winterscheid ist mit "Trisomie 21" zur Welt gekommen. Am heutigen Welt-Down-Syndrom-Tag steht sie im Mittelpunkt. Die Mama verteilt am Stand der Jugendbehindertenhilfe auf dem Markt Flyer, informiert Passanten über das Leben von und das Zusammenleben mit Hannah. "Wir wollen entkrampfen, Verlegenheiten oder auch Ignoranz im Umgang mit dem Down-Syndrom entgegenwirken." Oft gilt es einfach, den Mitmenschen die Unsicherheit zu nehmen. Petra Winterscheid sagt: "Wenn Sie mich fragen, was ich mir für meine Tochter am meisten wünsche, dann ist es Normalität." Normalität bedeutet familienintern, dass es in den meisten Fällen keinen Behindertenbonus gibt. Auch wenn die weitere Verwandtschaft Hannah diesen zu Beginn - automatisch und unbewusst - zugestand. So kraxelten wie beschrieben beide Kids die Rutsche rauf. Emily zuerst, die ältere Hannah ein wenig später. Dafür mit Biss und großem Ehrgeiz. "Sie hat sich trotz der Muskelschwäche nicht abbringen lassen und geübt, bis sie es schaffte." Normalität erfährt Hannah auch in ihrer Kita, sie geht in die integrative "Kinderburg Veronika Keller". Die Winterscheids haben in Siegburgs Leuchtturm-Einrichtung der Jugendbehindertenhilfe (eröffnete schon 1996) einen Platz bekommen, beide können ihrem Beruf nachgehen. "Wir wissen, dass es vielen Eltern behinderter Kinder anders geht, da muss sich noch viel tun", so die Steuerberaterin kritisch. In diesem Sommer steht die Einschulung an, die Tochter geht zur Hans Alfred Keller-Schule auf dem Deichhaus. Durchaus verschieden sind die Erwartungen von Vater Bernd und Mutter Petra. "Erst einmal in großer Gesellschaft gut klarkommen", sagt er. "Vorbereitung auf eine Selbstständigkeit im späteren Leben, wie auch immer diese aussieht", blickt seine Frau schon ein wenig weiter. Zumindest der erste Wunsch erscheint äußerst schnell realisierbar. Neulich war Hannah längere Zeit krank. Als sie zurück in die Kita kam, witzelten die Erzieherinnen: "Jetzt müssen sich alle zusammenreißen, der Chef ist wieder da!" Und bei der Motivsuche fürs "siegburgaktuell"-Foto gibt Hannah gegenüber den Eltern den Ton an: "Emily und ich setzen uns aufs Fahrrad, ihr stellt euch hinter uns!" Foto: Mutter, Tochter, Vater, Tochter: Petra Winterscheid mit Hannah, Ehemann Bernd und Emily.

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Mutter, Tochter, Vater, Tochter: Petra Winterscheid mit Hannah, Ehemann Bernd und Emily.
Mutter, Tochter, Vater, Tochter: Petra Winterscheid mit Hannah, Ehemann Bernd und Emily.