27.01.2012
"Wie der Lärm die Welt verpestet"
Krach bestimmt 3Sat-Sendung - morgen am Kaldauer Edeka unterschreiben!
Siegburg. Flörsheim, 10 Kilometer von Frankfurter Flughafen entfernt.
In nur 250 Meter Höhe donnern jeden Tag 2.100 Flugzeuge über die kleine Stadt im Rheingau hinweg. Seit im Oktober 2011 die neue Landebahn Nordwest fertig ist, hat sich der Krach vom Himmel fast verdoppelt. Die Folge: Menschen werden krank. Sie ziehen weg. Unter größten finanziellen Einbußen. Offen sprechen Stadtplaner von der 'Verslumung' ganzer Gegenden. "Der Lärm verpestet die Welt" war das Thema der Sendung ’scobel’ gestern Abend, 21 bis 22 Uhr, auf 3Sat. "Lärm ist zu Unrecht ein stilles Thema in der öffentlichen Wahrnehmung", bemerkt Moderator Gert Scobel am Anfang. Seine Sendung tat alles, um dieser Tatsache entgegenzutreten. Lärm ist das größte Umweltgift - das sagt das Umweltbundesamt (UBA). 75 Prozent der Deutschen fühlen sich durch die Lautstärke vor der Haustür gestört. Etwa 26 Millionen leiden unter Fluglärm. 1.000.000 gesunde Lebensjahre gehen in der EU jährlich durch den krankmachenden Abfall unserer Industriegesellschaft verloren. Eine angemessene Würdigung der gesundheitlichen Risiken und volkswirtschaftlichen Schäden fehlt. Als Beispiel wurde die vom Verkehrsministerium verschobene Veröffentlichung des UBA-Flugroutengutachtens für den neuen Berliner Großflughafen angeführt. Unbequeme Wahrheiten, so vermuteten die Anwohner des neuen Hauptstadtairports, sollten unter dem Teppich gehalten werden. Dabei sind, so der Kardiologe Prof. Thomas Münzel aus Mainz, Scobels Studiogast am gestrigen Abend, die Auswirkungen erfassbar. Der hohe Dauerschallpegel macht Gefäße kaputt, befördert Herzinfarkte und die Volkskrankheit Depression. Kinder lernen schlechter. Hausaufgaben machen viele hessische Grundschüler rund um den Fraport mit Kopfhörern auf den Ohren. Über den Link erreichen sie die 3Sat-Mediathek und können sich den Bericht ansehen. Es muss mehr Lärm um den Lärm gemacht werden, der die Verantwortlichen wachrüttelt. Morgen zwischen 10.30 und 13 Uhr können Sie am Kaldauer Edeka ihre Unterschrift gegen den nächtlichen Krach vom Köln/Bonner Flughafen leisten. Oder Sie drucken die ebenfalls über den Link erreichbare Liste aus, unterschrieben zusammen mit Familienmitgliedern und Freunden und bringen das Papier zum Bürgerservice ins Rathaus. Am 19. April, 10 Uhr, wird die Nachtflug-Klage der Stadt Siegburg vor dem Münsteraner Oberverwaltungsgericht verhandelt. In ruhiger Umgebung. Münster ist die leiseste Großstadt der Republik. Keine Flugzeuge, keine stadtnahen Autobahnen, keine Straßenbahn, wenig Industrie. Einzig die Glocken des Doms und die Fahrradklingeln der vielen Studenten könnten im Sitzungssaal I am Aegidiiplatz vernehmbar sein.


