06.08.2011

Stallberg und die Feuerwehr

Frank Pritz über die Geschichte des Siegburger Stadtteils / Folge 1

Siegburg. Mit der Geschichte des Ortsteils Stallberg und seiner Löschgruppe hat sich Frank Pritz, Oberbrandmeister der Wehr und Löschgruppenführer auf dem Stallberg, befasst. Wir bringen seine Abhandlung in Ausschnitten.

Der Stallberg bestand vor über 600 Jahren aus mehreren Hofgütern. So wie die Dörfer Wolsdorf und Troisdorf gehörte der Ortsteil Stallberg zur Vogtei Siegburg, die von 1064 bis 1676 der abteilichen und bis 1806 der bergischen Landesherrschaft unterstand. In der folgenden preußischen Zeit bildeten die Ortsteile Wolsdorf und Stallberg die Gemeinde Wolsdorf, die zur Bürgermeisterei Siegburg gehörte. Am 1. April 1899 wurde Wolsdorf mit dem Ortsteil Stallberg in die Stadt Siegburg eingegliedert. Das Gebiet des Stallberges wurde jahrhundertelang landwirtschaftlich genutzt. Dort lagen die Höfe Winterbergerhof, Rothenbacherhof, Flögerhof, Seidenbergerhof und der Deutzerhof. Der Abbau der reichhaltigen Tonlager im Gebiet des Stallberges war seit alter Zeit neben der Landwirtschaft bedeutsam. Er lieferte bis zum 17. Jahrhundert den Ton für die Töpferbetriebe der Vorstadt Aulgasse. Der Stallberg war schon früh an den öffentlichen Verkehr angeschlossen. Ein Fernhandelsweg, der zugleich als Botenweg Verwendung fand, führte von Köln nach Frankfurt und zwar in unserem Bereich von der Aggerbrücke über den alten Steinweg (Steinbahn), die alte Poststraße, den Stallberg, Kaldauen, Seligenthal über die Sieg nach Hennef Warth. Um 1858 wies der Stallberg 103 Bewohner und 35 Häuser auf. In den 20er Jahren setzte auch auf dem Stallberg die Industrialisierung ein. Am 1. Juni 1929 wurde die alte Zünderfabrik an der Barbarastraße an die Chemische Fabrik Kepec in Bonn verkauft, die dann mit dem gesamten Fabrikbetrieb zum Stallberg zog. Damals einer der größten Arbeitgeber dort. Zur gleichen Zeit begann die Firma der Gebrüder Seiler mit der fabrikmäßigen Herstellung von Sperrholz. Bald spezialisierte man sich auf die Herstellung von Küchenmöbeln. Die Firma Hermes gründete dann später eine Firma zur Herstellung von Fensterrolläden. Weiterhin gab es noch die Firma Lichtenberg Feuerfest, die sich auf die Herstellung von Schamotsteinen und allem was dazu gehört spezialisierte. Nach dem 2. Weltkrieg entstand in Siegburg durch den Zuzug von Vertriebenen, Ausgebombten und Flüchtlingen eine große Wohnungsnot. Zur Linderung der Wohnungsnot, gab die Stadt Siegburg das Gelände auf dem Stallberg zu beiden Seiten der Zeithstraße zur Bebauung frei. Ab dem Jahr 1948 setzte nun auf dem Stallberg ein richtiger Bauboom ein. Anfang der 60er Jahre begann auch die Gemeinnützige Wohnungsbaugenossenschaft Sozialwohnungen zu bauen. 1961 verschwanden die letzen Baracken an der Kaldauerstraße. Mit dem Abbruch der sogenannten Elendsviertel verschwand auch das zweckentfremdete und für den Brandschutz ungeeignete alte Gerätehaus, welches nach seiner Brandschutzbestimmung zuerst als kleine Bäckerei und zuletzt als Geschäftsraum einer Dame des ältesten Gewerbes genutzt wurde. Fortsetzung folgt. Foto: Die Firma Lichtenberg Feuerfest, heute ist hier Rolfs Gartenbedarf.



Die Firma Lichtenberg Feuerfest, heute ist hier Rolfs Gartenbedarf.
Die Firma Lichtenberg Feuerfest, heute ist hier Rolfs Gartenbedarf.