26.01.2012
Siegburg geht voran
Viele Deutsche noch immer antisemitisch eingestellt - Aufklärung gefordert
Siegburg. Diese Zahl stimmt äußerst nachdenklich, sie unterstreicht die Relevanz des Holocaustgedenktages.
Nach einer aktuellen Studie des in London lehrenden Historikers Peter Longerich haben noch immer 20 Prozent der Deutschen Vorurteile gegen Juden. Der Professor in dieser Woche konsterniert: "Früher dachte man, die Ressentiments sterben mit der Zeit aus. Doch wir haben festgestellt, dass auch in jüngeren Generationen die negativen Stereotype weit verbreitet sind." Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse fordert bei der Vorstellung dieser alarmierenden Funde vor allem eins: "Politische Aufklärung." Siegburg hat dies in den zurückliegenden Monaten und Jahren getan. Gerade erst ist die Kulturreihe "Begegnung mit Israel" zu Ende gegangen. Die Veranstaltungen mit Musik, Tanz und Ausstellungen richteten sich nicht nur an kunstinteressierte Erwachsene. Wichtig war der Stadt auch die Einbeziehung der Jugend. Am 8. Juli zeigten die Schulen beim bunten und turbulenten Fest auf dem Markt, wie gut sie die Gebräuche Israels kennen. Laubhütten waren aufgebaut, auf der Bühne erklangen jiddische Weisen, Modelle zeigt das Land am Jordan zu Jesu Geburt. Teil der Begegnung war auch ein Besuch von Gymnasiasten der Alleestraße in der Kölner Synagoge und der Lauder-Morijah-Schule. Was ist die Thora? Die Jugendlichen wissen es jetzt. Sie hatten in der jüdischen Schule ein 12 Meter langes Stück Papier in der Hand, bedruckt mit 603.550 Buchstaben. Die Nachbildung einer Original-Gebetsrolle, die normalerweise aus Tierhaut besteht. 2009 hingen die Anno-Schüler in einem Zeitzeugengespräch an den Lippen des inzwischen verstorbenen Siegburgers Wilfreid Stauch. Stauch, im Dritten Reich junger Polizist in der Kreisstadt, wurde aufgetragen, Johanna Rochmann die Nachricht vom Tode ihres Mannes Ignaz zu überbringen. Rochmann war der erste Siegburger Jude, der in einem KZ umkam. Stauch hatte ein Paket mit den Habseligkeiten des Toten dabei, das er der Witwe übergeben musste. Er schilderte seine Aufgewühltheit, sein Durchschauen des menschenvernichtenden Nazistaats. Es herrschte eine beklemmende Stille. Die Beschäftigung mit dem schweren Thema geht weiter. Am kommenden Dienstag um 12.30 Uhr eröffnet das Anno eine Ausstellung im Schulfoyer. Aus Anlass des Holocaust-Gedenktags wird die Lebensgeschichte der Anne Frank zu sehen sein, hinzu kommen die Hintergründe, wie es nach dem Zweiten Weltkrieg zur Entstehung der Menschenrechtscharta der Vereinten Nationen kam. Ein Buch entstand: "Mensch, das ist dein Recht"! 1. Auflage 2012, ISBN:978-3-00-036988-9, Herausgeber ist der Diözesanrat der Katholiken im Erzbistum Köln. Foto: Siegburg begegnet Israel - hier beim Fest der Schüler auf dem Markt im Juli.


