15.05.2018

Pfad der Abtei, Teil 1

Von Zahnabszessen und Zwangsjacken

Siegburg. Auf den Pfad der Abtei begaben sich die Besucher des Internationalen Museumstages am Sonntag. Er führt vom Stadtmuseum, das in einer neuen Abteilung die Abteigeschichte nachvollzieht, über die Schatzkammer von St. Servatius hinauf auf den Michaelsberg. Die Stationen des Pfads sollen im Stadtbild erkennbar sein, sie werden in Kürze mit erklärenden Tafeln und Schildern markiert.

Wir steigen hinab ins vom Forum erreichbare Untergeschoss des Museums. Startpunkt für den Rundgang mit Museumsmitarbeiterin Stefanie Kemp (Foto) ist die Wandkarte, die zeigt, warum Siegburg schon vor Anno, also im ersten Jahrtausend nach Christus, ein begehrter Festungs- und Siedlungsplatz war. Hier kreuzte der Fernweg von Köln nach Frankfurt die Verbindung von Bonn gen Osten, ins Bergische. Apropos Furt der Franken. Die Skelette der vor drei Jahren unter St. Servatius entdeckten Sarkophage weisen zurück ins Zeitalter Karls des Großen. Vom Schädel eines jungen Mannes meinten die Archäologen 2015 auf die Todesursache schließen zu können. Loch im Kiefer durch Zahnabszess, Blutvergiftung, Exitus. Wir schweifen ab... Vom Michaelsberg blickt man weit ins Land, was die Pfalzgrafen aus dem Geschlecht der Ezzonen für eine Befestigungsanlage nutzten. Anno kam, vertrieb die Ezzonen, gründete 1064 das Kloster, legte den Grundstein für das stetig wachsende Städtchen am Fuße des Vulkankegels. Der Beginn einer wechselvollen Beziehung zwischen A und B, zwischen Abt und Bürgern. Als Siegburg den Kinderschuhen entwachsen war, lehnte man sich auf gegen die erhöht residierende Geistlichkeit. Das Siegel, das wollte man selber nutzen, nicht länger in Abhängigkeit zum Klosterboss stehen. Von kriegsähnlichen Zuständen berichtete Stadtführerin Kemp, von Ränkeschmieden der Töpfer, Gerber und Wollweber mit dem Vogt gegen den Abt. Die Abtei und Siegburg - genannt fast immer in einem Atemzug. Doch: Bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts gab es überhaupt keinen größeren Weg hinauf. Ein Mauerwerk, dessen Reste noch heute an der unteren Bergstraße zu sehen sind, trennte die Sphären und Rechtsbereiche. Dann gingen erst die Mönche, es kamen die Preußen, mit ihnen Jacobis Irrenheilanstalt, eine innovatives Prunkstück und ein Meilenstein der Medizingeschichte. Psychisch Kranke können geheilt werden, so Jacobi, der sich intensiv mit seinen Patienten beschäftigte und - zuvorderst - sie beschäftigte. Etwa in den Gärten, die er anlegen ließ, die jetzt zum Teil im Michaelsbergkonzept zurückkehren. Auch eine Zwangsjacke, vor deren Gebrauch Jacobi nicht zurückschreckte, ist ausgestellt. Die Abteilung im Museum, aufgebaut wie ein Zeitstrahl, endet mit einem Strahlen. Mit dem KSI. Vorher wird's düster, es erscheint die Abtei als Zuchthaus mit neuem Gebäudetrakt. Der klobige Anbau kam gar nicht gut an bei den Siegburgern, ganz im Gegensatz zur architektonischen Meisterleistung der weitaus dezenteren Erweiterung im 21. Jahrhundert. Morgen geht's weiter auf dem Pfad der Abtei. Wir kümmern uns um goldene Schreine, eine unerschrockene Retterin derselben und um ein 1.000 Jahre altes Tuch. Foto: Die Abteilung zur Abteigeschichte befindet sich im Museumsuntergeschoss, ist vom Forum erreichbar. Der Besuch lohnt sich!


15.05.2018 - Stadtmuseum-Abteigeschichte

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