03.12.2018

Mitten im Wissen

Geschichtsverein durchfliegt den Bonner Kosmos der Erkenntnisse

Siegburg. Handschuhe oder nicht? "Das ist eine Glaubensfrage. Ich wasche mir gründlich die Hände und verzichte auf den Schutz meiner Finger."

Handschuhlos holt Daniel Presslmayer den dickleibigen Band aus der gepolsterten Kiste. Eine Interpretation des Lukasevangeliums von Albertus Magnus. Das Buch mit Buchenholzdeckel wurde 1504 gedruckt. Unters T-Shirt stecken, mitnehmen und teuer im Internet anbieten? Schwer bis unmöglich. Videoüberwacht ist diese heilige Halle der Universitäts- und Landesbibliothek zu Bonn, die Ideen des Denkers aus dem Mittelalter lagern im Schutze von Alarm- und Klimaanlage. Dass Bibliotheksmitarbeiter Presslmayer den großen Albert zu Forschungszwecken herausgeholt, geschieht nur selten. Die Texte liegen selbstverständlich handlich-digital vor.
Der Geschichts- und Altertumsverein für Siegburg und den Rhein-Sieg-Kreis war am Donnerstag auf Tour. Das 200-jährige Jubiläum der Bonner Uni zog in die Bibliothek am Rhein, wo manch ein Teilnehmer sich einst in einsamen Stunden an der lateinischen Grammatik oder dem Völkerrecht festbiss. Die derzeitige Ausstellung in der ULB ist eine Reise durch den Kosmos der Erkenntnisse, der nicht nur in der virtuellen Ära unendlich erscheint: Immer waren die Menschen, die hier arbeiteten, gefordert, mit den medientechnischen Entwicklungen ihrer Zeit Schritt zu halten.
Das Ausbrennen der im Zweiten Weltkrieg noch im Koblenzer Tor beheimateten Bibliothek wird in der Ausstellung thematisiert, von Überflutungen, von Bestellzetteln per Rohrpost - erklären Sie den Begriff mal der Millenniumsgeneration! -, von den Suchmöglichkeiten Opac und Bonnus ist die Rede. Die Geschichtsvereinstouristen schlichen im Flüsterton von Exponat zu Exponat. Lautstärke ist eine Schwäche in der ULB, die eigentlich immer voll ist. In Prüfungsphasen gehört der erste Nutzerblick der Homepage, wo der Füllegrad einzusehen ist.
Warum der Lernort Bibliothek so anziehend wirkt, erklärt Geisteswissenschaftlerin Lisa Kugele in der 200-Jahr-Festbroschüre: "Ich schreibe an meiner Masterarbeit zum Thema 'Migrationspolitik in Libyen'. Mir hilft das Gefühl, unter Beobachtung zu sein. Das motiviert mich, konzentriert bei der Sache zu bleiben, und verhindert, dass ich mich mit anderen Dingen beschäftige." Die ULB übt als Bändiger der Ablenkungsmacht von Facebook und Instagram eine wertvolle Funktion aus.
Über den Link zur Ausstellung "Mitten im Wissen". Morgen mehr zum zweiten Teil der Exkursion nach Bonn, die ins Poppelsdorfer Goldfußmuseum führte.


03.12.2018 - GAV-ULB

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