27.05.2014

Liebe auf den ersten Blick

Zu Gast beim Siegburger Eishockeytalent Tobias Fohrler

Siegburg. Wir wünschen dem SSV 04 nur das Beste.

Doch bei Tobias Fohrler müssen wir sagen: Gott sei Dank hat das vor zehn Jahren nicht geklappt mit dem Fußballspielen. Nur wenige Male tritt der sechsjährige Tobias im Verein gegen den Ball. Einmal stellt man ihn in den Kasten, das ist überhaupt nicht sein Ding. "Stehvermögen hat er schon gehabt", grinst Papa Thomas Getto. "Er ist nicht aus dem Tor gerannt, als die Kugeln abgefeuert wurden". Besuch bei Tobias Fohrler am Kleiberg. 16 Jahre alt, stattliche 1,90 Meter groß und 90 Kilo schwer. An ihm bissen sich die Gegner der Kölner Haie, hier spielt der Siegburger in der Eishockeynachwuchsliga DNL, zuletzt Reihenweise die Zähne aus. Tobias, das berichtet seine Mutter Corinne Fohrler, ist von Kindesbeinen an ein Actionkind. Etwas feiner und weniger denglisch formuliert: Er hat einen enormen Bewegungsdrang. Mit dem Rad stürzt er sich den Michaelsberg runter. Eine Narbe im Gesicht erinnert an die Folgen. Er ist größtenteils auf Rollen unterwegs. "Ob auf Inlineskates oder Skateboard, er war immer auf Achse", so die Mutter. Das prägende Eishockeyerlebnis hat er während eines Urlaubsaufenthalts in der schweizerischen Heimat seiner Mutter. Die Familie besuchte die Eröffnungsfeier einer Eishalle, zur Einweihung fliegt der Puck, die Kufenflitzer nehmen den damals Achtjährigen nach dem Match mit in die Kabine. Tobias ist elektrisiert. Das ist der Sport, den er ausüben will. Eine Liebe auf den ersten Blick! Über Troisdorf führte sein Weg ziemlich schnell in die (Eis-)Laufschule der Kölner Haie. Das erste Training wird der Papa, der auf der Tribüne zusieht, nicht vergessen. "Es ging, nun ja, herzhaft zu. Die Jungen haben mehr gerauft als gespielt, beim Fußball hätte es keine zweite Übungseinheit für Tobias gegeben", schlägt er noch heute die Hände über dem Kopf zusammen. Die Sorgen um Tobias' recht weite Auslegung des Begriffs "Disziplin" sind unbegründet. Die Trainer sind begeistert von seiner Durchsetzungskraft. Der Weg ist schnell geebnet. Tobias spielt später in der Schweiz, lebt auch einige Jahre im Mannheimer Internat, um sein Eishockeyspiel zu verfeinern (wir berichteten). Die letzte Saison ist schließlich die aufregendste. Tobias kehrt vom Neckar an den Rhein zurück. Obwohl er die Vorbereitung mit den Haien verpasst, erkämpft er sich im Laufe der Spielzeit einen Stammplatz, macht deutschlandweit von sich reden. Im März scheitern die Haie an seinem Ex-Club Mannheim im Halbfinale der Meisterschaft, für Tobias ist die Saison jedoch noch nicht vorbei. Das internationale Jugendturnier in Sacco (US-Bundesstaat Maine) steht Anfang Mai an. Und Tobias steht vor einem großen Problem. Im Frühjahr herrscht eklatanter Eismangel in deutschen Hallen. Mit dem Vater fährt er bis ins niederrheinische Dinslaken, um sich fit zu halten. Ein Aufwand, der sich lohnt. Zum Turnier ist er topfit. In den Staaten sind die Eisflächen kleiner, ein Umstand, der ihm zu Gute kommt. Er wächst über sich hinaus, hat in der europäischen Auswahl zudem hoch talentierte Eishockeykünstler aus Russland an seiner Seite. Die Truppe bezwingt eine kanadische Auswahl im Finale, Tobias ist stolz auf acht Scorerpunkte, wird zum besten Verteidiger des Wettbewerbs gewählt. Die Erfahrungen mit dem knallharten Spiel der Nordamerikaner sind wertvoll und schmerzhaft zugleich. "Zweimal bin ich über die Bande gecheckt worden, das ist mir in Deutschland noch nicht passiert." Für Amis und Kanadier sind Keilereien Teil des Spiels. Die Rudelbildungen beim Fußball wirken wie Kindergeburtstage, wenn man sie mit den handfesten Auseinandersetzungen der Schlittschuhraubeine vergleicht. Tobias hat seine Lehren gezogen. Seit Kurzem malträtiert er den Punching Ball in einem Troisdorfer Boxclub. "Er muss an seiner Deckung arbeiten", erklärt der Vater fachmännisch. Er ist längst Feuer und Flamme. Der Sport seines Sohnes ist auch sein Sport geworden. Foto: Tobias Fohrler im heimischen Garten mit der aus den USA mitgebrachten Trophäe. Er lernt übrigens beim Siegburger Traditionsunternehmen Dr. Starck in der Bernhardstraße, macht eine Ausbildung zum "Mechatroniker für Klima- und Kältetechnik". Die Firma unterstützt seine Hockeyleidenschaft.


27.05.2014 - Fohrler

Tobias Fohrler