09.08.2019

Karoline Cahns Leben als Tragödie

Wuchermieten für Bauten hinter Stacheldraht

Siegburg. Für damalige Verhältnisse spät, mit 30 Jahren, heiratet Karoline Rosenbaum im Jahr 1908 den Siegburger Fabrikarbeiter Alfred Cahn und zieht aus dem Spessart zu ihm nach Siegburg.

Das Paar wechselt mehrfach die Bleibe. Von der Cecilien- in die Zeithstraße, von der Weiergasse (heute Weierstraße) zurück in die Cecilienstraße. Später, 1920, von der Aulgasse in die Luisenstraße 50. Alfred und Karoline Cahn haben fünf Kinder. Die Älteste ist Erna, Jahrgang 1909, von der wir wissen, dass sie einen Mann mit dem Familiennamen Lazarus heiratet und 1939 in einem Gebäude in der Kölner Lützowstraße lebt, in dem auch ein israelitisches Kinderheim ansässig ist. Über die zwei Jahre jüngere Selma, das nächste Cahnkind, liegt lediglich die Information vor, dass sie 1929 einen Eduard Mertens ehelicht. Erich Cahn, wiederum zwei Jahre jünger, ist Fellhändler, vermählt sich mit einer Karolina Wolff, lebt wie die älteste Schwester in Köln. Zwei weitere Kinder des Ehepaares Cahn, Max und Hilde, sterben einjährig. Ob es eine Verbindung mit der Reichspogromnacht kurz zuvor gibt, ist nicht überliefert: Alfred Cahn stirbt am 23. November 1938 in seiner Heimatstadt Siegburg. Seine Frau wird im Juni 1941 umgesiedelt. Wie 50 andere jüdische Mitbürger aus Siegburg bezieht sie zwangsweise Quartier im einstigen Reichsarbeitsdienstlager in Much, wo Juden des Kreises hinter Stacheldraht für das Siegburger Unternehmen "Ley und Hagen" schuften oder umliegende Felder beackern müssen, wie Jan Tiemann es in seiner 2009 veröffentlichten Arbeit "Unbekannt verzogen" beschreibt. Unglaublich: Den Eingesperrten werden horrende Mieten für das baufällige Camp abverlangt! Im Juli 1942 muss Karoline einen Lkw besteigen. Es ist die Abfahrt in den Tod. Über die Deutzer Messehallen gelangt sie zum Exekutionsort nahe Minsk. "Ermordet in Maly Trostinec" steht auf dem in der letzten Woche verlegten Stolperstein vor der Haus Luisenstraße 50. In Maly Trostinec stirbt auch ihre Tochter Erna. Sohn Erich erhängt sich 1941 in Riga, wohin man ihn deportiert hatte. Foto (Nachlass Erwin Bernauer/Arndt, Rhein-Sieg-Kreis) : Links ein Porträtfoto von Karoline Kahn, rechts der Stolperstein vor der Luisenstraße 50.


09.08.2019 - Stolperstein-Cahn

Stolperstein - Cahn