02.02.2012

Erzbistum sieht "Riesenherausfordrung"

Großes Interesse an der Abteizukunft - Klosterzustand derzeit "desaströs"

Siegburg. Der bauliche Zustand der Abtei auf dem Michaelsberg, von Kirche und Exerzitienhaus abgesehen, ist verheerend.

Bereits am 21. September hat Kardinal Meisner die Ansiedlung der indischen Mönche auf den Michaelsberg perfekt gemacht. Auch die Vorburg der Abtei soll für das Katholisch-Soziale Institut (KSI) genutzt werden. Am Beginn aller mindestens 40 Millionen Euro teuren Umbau- und Sanierungsmaßnahmen steht ein "Architektenwettbewerb der Ideen". Das Kloster mit seinen Anlagen wie dem Abteiturm wird auch künftig den Menschen, etwa im Rahmen von Führungen, offen stehen. Interessantes erfuhren gestern Abend die Besucher der Informationsveranstaltung des Erzbistums im Stadtmuseum. Die Anteilnahme an der Zukunft der Siegburger Abtei ist riesig. Vollbesetzt war das Foyer, mancher Besucher fand nur einen Stehplatz im "Oberrang". Eine "tragende Lösung" sei gefunden, dankte Bürgermeister Franz Huhn zu Beginn unter Beifall den Vertretern der Erzdiözese, an deren Spitze Generalvikar Dr. Dominik Schwaderlapp. Der dankte den Zuhörern dafür, trotz des kalten Wetters "die warme Stube verlassen" zu haben. Die Heizung im Kloster sei kaputt und es daher ein Segen, das Museum als Veranstaltungssaal zu haben. Huhn betonte, der Abend stehe am Beginn einer Informationsreihe, mit der die Öffentlichkeit "Schritt für Schritt" über den Fortgang der gewaltigen Arbeiten in den kommenden Jahren eingebunden werden solle. Schwaderlapp legte die große Bedeutung der Abtei ("Schon von der Lage her") dar. So habe sich der Erzbischof persönlich "die Finger wund telefoniert" und sei auch in Rom aktiv geworden. Das es letztlich zu einer Ansiedlung der Karmeliten komme, sei ein "Zufall", wenngleich dieses Wort auch "nur der Spitzname des Lieben Gottes" sei. Bei einem Besuch führender indischer Ordensleute habe Meisner auch diese auf die Siegburger Abtei angesprochen und gefragt: "Wäre das nicht was für Sie?" Möglicherweise, lautete die Antwort und schon am Nachmittag sei die Delegation mit Vertretern des Erzbistums auf dem Weg im Auto unterwegs nach Siegburg gewesen. Von Beginn an habe es keine Zweifel gegeben, dass nur eine Mehrfachnutzung der Anlagen infrage komme. Mönche allein könnten "nicht mehr den ganzen Berg bespielen". Ungeschminkt schilderte der Finanzdirektor des Erzbistums, Hermann J. Schon, den baulichen Zustand der Abtei. Bis auf Kirche und Exerzitienhaus sei alles "absolut desaströs", nichts mehr als ein "schlechter Rohbau". Das Erzbistum müsse "erst mal Geld in die Hand nehmen, um einen Rohbau zu schaffen", den es dann zu modernisieren gälte. Auch das 860 Quadratmeter große Jugendgästehaus Sankt Maurus, die Heimstätte des neuen Ordens, muss 15 Monate lang komplett saniert werden, Kosten: 2,5 Millionen Euro. Klostergebäude und Vorburg bieten mit 8.800 Quadtratmetern für Tagungsräume und Gästezimmer des KSI soviel Platz wie derzeit Bad Honnef. Mindestens 40 Millionen Euro werden dort in rund drei Jahren verbaut. Vieles ist ungewiss. Schon: "Wir müssen erst mal Decken und Wände öffnen. Ohne uns arm zu rechnen, das ist schon eine Riesenherausforderung." Die hohen Ausgaben, die in den Umzug und die neue Zukunft des KSI investiert werden, seien ein "Zeichen", freute sich dessen Direktor Professor Dr. Ralph Bergold. Durch die Mitarbeiterschaft sei "ein Ruck" gegangen. "Gästehaus und Lernort" wolle das KSI, ein Haus der Arbeitnehmerbildung, sein. Medienkompetenz und kulturelle Bildung vermitteln, die Auseinandersetzung mit künftigen gesellschaftlichen Fragen und Herausforderungen suchen. Das KSI in Bad Honnef zeichne sich bisher als helles und lichtes Tagungshaus aus. Davon soll auch die Abtei etwas erhalten. Schwaderlapp: "Wir wollen uns nicht hinter Mauern zurückziehen." Gleichwohl soll das künftige Erscheinungsbild die Historie bewahren: "Die Geschichte der Benediktiner gehört zum Schatz." Antworten zu Fragen der Bürgerinnen und Bürger: Der Schrein mit den Reliquien des Hl. Anno bleibt auf dem Berg. Über eine Gastronomie ist noch nicht entschieden, eine Frage des Gesamtkonzepts. Abteilikör wird es weiter geben, wo gebraut und verkauft, ist offen. Das Archiv der Abtei ist an das Erzbistum gegangen, bereits im Februar erscheint darüber ein Findbuch für die wissenschaftliche Arbeit. Einige wertvolle und für Siegburg bedeutsame Archivalien gehen auf den Berg zurück. Bestände der Bibliothek sind an andere Benediktinerklöster gegeben worden. Die Verkehrsbelastung in der Mühlenstraße soll nicht wesentlich merkbar steigen. Auch früher gab es Besucherverkehr zur Finanzakademie. "Ich jedenfalls freue mich, wieder neue Nachbarn zu haben", erklärte ein Anwohner der Bergstraße. Rund 60 Fahrzeugbewegungen von KSI-Besuchern am Tag werden prognostiziert. Die Mühlenstraße sei zu bestimmten Zeiten stärker, zu anderen wenig belastet, betonte Huhn. Hier könne möglicherweise auch eine Abstimmung der Tagungszeiten helfen. Geklärt werden muss die Parkplatzfrage. Man setze auf "zukunftsweisende und hoffnungsfrohe Entscheidungsprozesse", erklärte Huhn, doch alles müsse jetzt wachsen: "Der Geist des Herrn weht wo er will. Und es scheint, dass er jetzt ganz gut weht."

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Infoveranstaltung Abtei
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