19.07.2019

Erst vertuscht, dann verurteilt

Krimi um ersten NSDAP-Bürgermeister in Siegburg

Siegburg. Es ist ein Siegburger Politkrimi erster Ordnung, die Hauptrolle ist prominent besetzt.

Wilhelm Ley, der erste der drei nationalsozialistischen Bürgermeister unserer Stadt, wird am 10. September 1893 in Hodgeroth im Bergischen Land geboren. Nach dem Ersten Weltkrieg verschlägt es ihn nach Siegburg, er handelt mit Lebensmitteln. 1929 schließt er sich der erstarkenden Nazibewegung an, die "Wirtschaftskrise" sollte er später als Grund für den Beitritt nennen. Ab 1930 leitet er die NSDAP-Ortsgruppe. Unregelmäßigkeiten bei den städtischen Werken nutzen die Nazis 1933, um den langjährigen Bürgermeister Robert Becker vom Zentrum aus dem Amt zu drängen. Nach Beckers Rücktritt am 30. März wird Ley erst kommissarisch an die Stadtspitze gehoben. Am 24. November erfolgt die offizielle Einführung. Zeitgleich wechseln die Zuständigkeiten bei der Polizei. Neuer Polizeikommissar für Siegburg ist der örtliche SS-Führer Günther von Braunschweig. Von der Propaganda ins wortwörtlich rechte Licht gesetzt, gibt Ley den Macher, der aufräumt mit dem "System" oder der "Clique", wie die Verbindung der Weimarer Parteien Zentrum und SPD im damaligen Jargon abfällig genannt wird. Mehr als ihnen lieb ist, erfahren die Siegburger von ihrem ersten Bürger. Als sie mehr erfahren wollen, lässt Ley nichts mehr von sich hören. Ende Mai 1934 schwirren Gerüchte durch die Stadt. Von einer Fahrerflucht Leys ist die Rede, von einem Toten gar. Infos in der Zeitung? Fehlanzeige! Erst am 10. Juli reagiert die NSDAP-Ortsgruppe und lässt im Westdeutschen Beobachter eine Stellungnahme drucken. Aus ihr geht hervor, dass gegen Ley wegen Körperverletzung bei einem Autounfall ermittelt werde. Er sei ebenso von seinem Amt zurückgetreten wie der Polizist von Braunschweig, der bei den Ermittlungen zum Unfall als Hilfsorgan der Staatsanwaltschaft nicht genügt habe. Wegen "Begünstigung im Amt" ist auch er ein Fall für den Staatsanwalt. Dass es bei dem Unfall tatsächlich einen Toten gab, bleibt unerwähnt. Den Urhebern der Erklärung geht es darum, das anhaltende Raunen einzudämmen. Gegen jeden, der die beiden Parteigenossen verunglimpfe, werde man vorgehen. Der Prozess endet schließlich im März 1935 mit einer zweijährigen Haftstrafe für Ley. Im Urteil kommt neben fahrlässiger Körperverletzung und Fahrerflucht die Verleitung eines Untergebenen zu strafbaren Handlungen, die Vernichtung von Urkunden und Meineid zum Tragen. Mit den Akten des Stadtarchivs lässt sich ein genaueres Bild der dubiosen Tätigkeiten Leys zeichnen. Befragte Verwaltungsmitarbeiter berichten von Leys zwielichtigen Geschäften mit Edelhölzern. Ein Pfändungstitel gegen ihn verschwindet spurlos. Unklar der Verbleib der Gelder, die man nach dem 30. Januar 1933 den politischen Gegnern in Siegburg entriss. Nach dem Unrecht der Zeit hätten sie innerhalb der NSDAP nach oben abgeführt werden müssen. Markus Bauer, der in seiner 2009 vom Geschichtsverein herausgegebenen Magisterarbeit "Machtergreifung und Gleichschaltung in Siegburg" Leys Bürgermeisterzeit Revue passieren lässt, kommt zu einem eindeutigen Fazit: "Ley war eine Fehlbesetzung, wie sie nach dem 30. Januar 1933 typisch war (...) Mit Ley und von Braunschweig wurden zuerst 'alte Kämpfer' der Bewegung mit hohen Posten versorgt. Nach der 'Machtergreifung' entblößte sich der Idealismus des früheren NS-Aktivisten Ley als pures Vorteilsstreben in Form von Korruption und Einfluss." Wer sich für Bauers lesenswerte Abhandlung interessiert, schreibt eine E-Mail an gav@siegburg.de. Die Kosten für das Buch liegen bei 10 Euro.


19.07.2019 - Naziaufmarsch

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