13.09.2018

"Do lijje noch andere Saache en d'r Äd

Der Bombenfund an der Sieg/4

Siegburg. "Man brauchte auf der Zange nur den Kopf aus dem Fenster strecken, dann hörte man die Amis in Mülldorf durchladen und die Granaten fliegen."

An der Absperrung Siegstraße/Siegdamm sagte dies gestern Otto Dohmann. Er war dabei, als die Alliierten im Weltkrieg Bomben auf die nahe Bahnstrecke fallen ließen, er lag im hohen Gras der Flussniederung, als die "Jabos" im Tiefflug über die Sieg schossen. Schließlich erlebte er als Kellerkind den tage- wenn nicht wochenlangen Beschuss von der Mülldorfer Flussseite, an der die Amis im März/April 1945 lagen, ehe sie die Sieg überquerten, die Kreisstadt befreiten. Die Sieger verteilten "Schokolade und Kaugummis in rauen Mengen", wussten speziell die Jugend schnell hinter sich zu bringen. Anstelle der zerstörten Siegbrücke setzten sie Pontons für die Fahrzeugüberfahrt, was die Pänz stark beeindruckte. Ein GI, so der Zeitzeuge Dohmann, wollte unbedingt eine Walther-Pistole haben, als Andenken an Deutschland. Nur wenig älter als der damals dreizehnjährige Dohmann waren diejenigen, die kurz vor der Stunde Null als "Volkssturm" das militärische Blatt wenden sollten - ein Irrsinn! Dohmann berichtet: "Sie übten mit der Panzerfaust am Betonwürfel, der Teil der Seilbahn war, mit der die Mannstaedt-Werke in Friedrich-Wilhelms-Hütte zuvor Schlacke nach Siegburg Zange transportiert hatte." War es die letzte Bombenentschärfung auf der Zange? Wahrscheinlich nicht. Dohmanns Schlusswort: "Do lijje noch andere Saache en d'r Äd."


13.09.2018 - Bombe-4-Domann

Otto Dohmann