08.12.2018

Deportiert mit 72 Jahren

Milchhändlerin war lange auf sich allein gestellt

Siegburg. 1871, im Jahr der Reichsgründung, erblickt Emma Cahn in Siegburg das Licht der Welt.

1900 heiratet sie in ihrer Geburtsstadt David Wolf (genannt "Jülich"), laut Einwohnermeldekartei ist er Geschäftsreisender und Artist. Das Paar hat drei Kinder: Mary, Hans und Ernst.
Die Quellen fließen zäh, nicht sprudelnd. Dennoch lässt sich in groben Zügen folgender Lebenslauf rekonstruieren. Spätestens seit dem Ersten Weltkrieges ist Emma Wolf auf sich allein gestellt, der Ehemann ist 1918 "seit vielen Jahren fort". In der Holzgasse 49 führt sie einen Milchhandel. Im Adressbuch 1934/35 findet sich der Eintrag "Wolf-Jülich, Emma, Wwe., Milchhandel, Holzgasse 49".

Die betagte Frau wird später vom Sammellager in Much nach Deutz und dann weiter nach Theresienstadt gebracht. Im Stolperstein ist das traurige Ende eingraviert: "1942 in Treblinka ermordet". Ihre Söhne ereilt dasselbe Grauen. Recherchen des Kreisarchivs ergeben, dass der 1902 geborene Hans von Köln nach Riga deportiert wird, wo sich die Spur verliert. Der drei Jahre jüngere Ernst fällt in Sobibor den Unmenschen zum Opfer.

Nachtrag: Bei der Stolpersteinverlegung in der Holzgasse am vergangenen Montag waren auch Siegburger Realschüler dabei. Sie hatten sich mit den Biographien, Lebens- und Sterbeumständen der jüdischen Siegburger vertraut gemacht.


08.12.2018 - Stolperstein-wolf