29.06.2011

Wenn das Singen zur Musik wird

Walter Dohr bei der Chorporbe von "KlangArt"

Siegburg. Es scheint, er lebt nicht mit, sondern in der Musik...

Walter Dohr reist viel und gerne im Kreis umher. Dohr hört Chören bei ihren Proben und Auftritten zu und seine Eindrücke nieder. Kaum eine Sangesgemeinschaft, die ihm durch die Lappen geht. Was er beim Zuhören empfindet, geben seine Texte 1:1 wider. Anders gesagt: Die Sänger malen mit Tönen, Dohr mit Worten. Hier ein Bericht zu einer Probe von "KlangArt", dem noch jungen gemischten Siegburger Chor. Die Mitglieder üben jeden Donnerstag von 20 bis 22 Uhr in den Gemeinschaftsräumen der Erlöserkirche auf dem Brückberg. "Was einer der klugen Chorstrategen auf die Formel gebracht hat, dass die eigentliche Musik hinter den Tönen anfängt, hat sich auch der liebenswerte und agile Chorpädagoge und Stimmbilder Ruslan Aliyev zur Maxime erkoren. Für ihn muss das Singen zur Musik werden, lautet die plausible Maxime. Sein Werdegang prädestiniert ihn geradezu auch mit Chören erfolgreich zu agieren. Er hat Klaviermusik, Chorleitung, Sologesang und Musikpädagogik in Baku (Hauptstadt seiner Heimat Aserbaidschan), Cape Town (Südafrika) und an der Musikhochschule in Köln studiert. Die Schnupperprobe des von ihm geleiteten jungen gemischten Chores 'KlangArt' in Siegburg (erst Anfang 2010 gegründet) in der Erlöserkirche in Siegburg-Brückberg bestätigte den sehr guten Eindruck, den man erst kürzlich beim ersten Gemeinschafts- und Benefizkonzert der Siegburger Chöre in der Rhein-Sieg-Halle hinterlassen hatte. Dort ließen die ambitionierten Sänger fürwahr aufhorchen und auch bei der besagten Chorprobe (eine instruktive Lektion in zielbewußtem Singen) musste man die Ohren ganz besonders spitzen. Der sympathische Chorleiter hatte für diesen interessanten Abend die Ohrwürmer 'You light up my life' von Joe Brooks und 'Somewhere' aus Leonard Bernsteins Erfolgsmusical 'West Side Story' wirklich gekonnt arrangiert. Der erste Ohrwurm, mit dem sich der Chor ganz intensiv beschäftigte, hat in den siebziger Jahren die Charts gestürmt. Debby Boone, die sich mit ihrer gefühlvollen Interpretation des Liebeslieds unsterblich gemacht hat, verriet in jenen Jahren, dass sie inspiriert worden sei, die lyrische Ballade für Gott zu singen. Das ist des Pudels Kern! Man sollte nicht die Nase rümpfen und den Song als Schnulze abtun. Hätte sich der Dirigent von solchen Gefühlen leiten lassen, hätte er wahrscheinlich nicht zur Notenfeder gegriffen. Ich denke, er sollte den vorzüglich arrangierten Titel in einem Musikverlag veröffentlichen. Es gibt gewiss Chöre, die sich mit der Partitur ernstlich befassen würden. Doch ich will keinen Nebenschauplatz aufmachen und auf die Schnupperprobe eingehen, obwohl hin und wieder das eine oder andere Wort über einen findigen Chorsatz oder eine gelungene Chorbearbeitung verlieren sollte. Der Chorleiter räumte der Stimmbildung und dem obligaten Einsingen die berechtigte Zeit ein und machte deutlich, dass man die gezielten Übungen zum Stimm- und Atemtraining ebenso mit überzeugender Freude und Ernsthaftigkeit angehen müsse, wie ein Auftritt oder ein Konzert. Die Choristen beherzigten dies auf lobenswerte Weise und auch die geforderte 'Präsenzhaltung' beim Singen und beim chorischen Atmen. Der Dirigent hat es seinen 'Zöglingen' nicht leicht gemacht und in seinem Arrangement viele harmonische Kniffe und satztechnische Schwierigkeiten niedergeschrieben, die viel an stimmlicher Beweglichkeit und Präsenz wie auch an Geschmeidigkeit, lebendiger Stimmführung und eine präzise Intonation verlangen. Dass man wegen einer gemeindlichen Veranstaltung in die Erlöserkirche ausweichen mußte, erwies sich als ein Glücksfall, da die stimmlichen Nuancen auf diese Weise zum Klingen gebracht wurden. Die zielorientierte Arbeit zeigte im letzten Drittel der Chorprobe dann auch ihre positive und gewollte Wirkung. Sie setzte beim Dirigenten und seinem Chor die Glückshormone frei, die erst dann entstehen wenn man der erwähnten Maxime gerecht wird, dass das Singen zur Musik werden muss! Ein anderer Zeitgenosse (um an das eingangs erwähnte Zitat anzuknüpfen) hat einmal proklamiert, dass man von jeder Chorprobe ein Erfolgserlebnis mit nach Hause nehmen sollte. Das haben Dirigent und 'KlangArt' wieder einmal geschafft. Fazit: Man ist in der Erlöserkirche auf einem erfolgversprechenden Weg und wird ganz gewiß noch mehr von sich hören lassen." Foto: Der Chor "KlangArt" aus der Vogelperspektive.



KlangArt
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