09.07.2019

Von Bienen, Grönlandhaien und Goldbären

"Poets for Future" machten in der Rhein-Sieg-Halle Mut

Siegburg. Kann man in der Rhein-Sieg-Halle eine familiäre, fast intime Atmosphäre schaffen?

Wer sich diese Frage in den letzten 13 Jahren gestellt hat, bekam am Donnerstag eine Antwort: Yes we can! Zum Slam "Poets for Future", einer Veranstaltung im Rahmen der Reihe "Himmel auf Erden", wurden nicht nur die Künstler, sondern auch die Zuschauer auf die Bretter, die die Welt bedeuten, gebeten. Die Stühle auf der Bühne aufgereiht, die Poeten im Zentrum. Entsprechend begrüßte Moderator mario el toro das Publikum zum "Wohnzimmer-Slam" mit motivierenden Texten zum Verbessern der Welt. Das Bonner Liedermacherduo Simon & Ingo eröffnete den Abend mit "Biene", womit sie die Richtung, in die sich der Abend entwickeln sollte, vorgaben: Eine Mischung aus guter Laune und nachdenklich stimmendem Text à la "Doch wenn wir Bienen sterben, reißen wir euch mit in den Tod". Mit dem Battle-Rap "Nestlébeschmutzer" und der finalen Nummer "Grönlandhai", in der sie sich die Frage stellen, ob 400 Jahre Lebenszeit unter den aktuellen Bedingungen wirklich erstrebenswert sind, legten die beiden gekonnt nach. Das Duo Dominik Stangier am Flügel und Line Mockenhaupt an der Violine begeisterte mit musikalischen Leckerbissen von Beethoven, Yann Tiersen und David Guetta. Stangier begleitete auch das von Wehwalt Koslovsky, Pionier der deutschsprachigen Poetry-Slam-Bewegung, spontan zum Swing umfunktionierte "Lied an die Erde". Sehr bewegend Martin Weyrauchs Geschichte "Helden" über den Traum eines comiclesenden Jungen. Britta Bohème erzählte in "Der Goldbärmann" von einer Generation, der es immer schwerer fällt, aus einem Überangebot die richtige Wahl zu treffen: "Haben wir uns entschieden für den roten Bären, wollen wir morgen vielleicht schon den ananasgetränkten goldenen." Felicitas Friedrich gestand sehr authentisch, wie "verdammt anstrengend" es sei, "immer das Gefühl zu verspüren, ich müsste etwas verändern". Und Stella Reis versuchte, einen Vergleich zwischen den Klimaleugnern und kleinen Alltagslügen zu ziehen. Dominik Breuer vom Brachland Ensemble, das fester Bestandteil der Himmel-auf-Erden-Reihe ist, animierte zum Austausch, schuf Interaktion zwischen den Wohnzimmerleuten. Das Publikum verließ die Rhein-Sieg-Halle nach anderthalb Stunden. Nachdenklich, gut unterhalten und motiviert, den Planeten nicht den Ignoranten zu überlassen.


08.07.2019 - Poets for Future

"Poets for Future"