26.02.2018

Samstag ist Slamtag

Cönig mit C folgt Christofer mit F

Siegburg. Ein mehr als dreistündiges Finale mit einem knappen Favoritensieg am Ende.

Nein, hier ist nicht vom Eishockeymatch um Olympiagold die Rede, sondern vom Jahresfinale des Poetry Slams "Mutanfall", beendet sechs Stunden vor dem ersten Bully in Pyeongchang. Mit seinem schon in siegburgaktuell vorgestellten Text "WaldThing" setzte sich Jan Cönig aus Frankfurt in einem spannenden Endspiel gegen Victoria Helene Bergemann aus Kiel durch. Die 1.000 Zuschauer in der Rhein-Sieg-Halle bekamen viel geboten. Etwa einen glänzend aufgelegten Vorjahressieger Christofer mit F, der einen urkomischen Telefondialog zwischen Gott und Abraham im breiten Kohlenpottslang vortrug. Sein Kommentar zur eigenen Dichtung: "Bibelfeste Menschen haben mehr vom Text. Bibelgläubige weniger." Das andere Ende der Gefühlsskala bediente die erst 19-jährige Patricia Staudt aus Troisdorf. Sie hat ihr FSJ in einem Bonner Kinderheim absolviert, die Zeilen drehten sich um eine Grundschülerin, deren Beziehung zur Mutter auf dem Kopf steht. Die Kleine kümmert sich ums Essen und den Haushalt, die Mutter liegt im Bett. Staudt gelingt der wohl schönste Satz des Abends: "Alle Menschen sind Kunstwerke, gezeichnet vom Leben." Nachdenklich stimmte der Anti-Rassismus-Kommentar von Ingo aus Bonn. Blond, Brille, Seitenscheitel, Nachname Nordmann. "Ich werde nie gefragt, wo ich 'eigentlich' herkomme. Manager, Politiker, Polizisten - alle sehen so aus wie ich. Weißes Privileg." Eher unterprivilegiert fühlt sich die in der Endausscheidung nur knapp unterlegene Slammerin Victoria. Schüchtern, schleichend, schulterhängend, mit einer an einen Lampenschirm erinnernden Kurzhose betrat sie die zum Catwalk ausgebaute Bühne. Ihre Schenkelklopfer stehen dieser zur Schau getragenen Unbeholfenheit entgegen. Kostprobe: "Schwangere sind wie Kakteen. Sie lagern Wasser ein, kein Mann will sie anfassen." Die junge Holsteinerin formuliert auch feiner, gab sich als Person zu erkennen, die sich von leicht schwermütigen, tiefgründigen Zeitgenossen angezogen fühlt. Zitat eines solchen Freundes: "Warum blickt man frühmorgens sehnsüchtig in den Sternenhimmel und freut sich nur wenig später über drei rote Zwiebeln im Sonderangebot?" Das Drumherum des Slams konnte sich sehen lassen. Moderator mario el toro hatte einen VW-Bus in die Halle fahren lassen, aus dem in den Pausen Olaf Schallenberg und Kevin Eberhardt entstiegen, deutsche Spitze auf dem Gebiet des - mmppf, mmppf - Beatboxings. Zwischentöne kamen außerdem von Luis, zwölfjähriger Poet, Musiker, Schüler, Fußballer und Sohn des Moderators. Foto (vl.): Siegerehrung mit Victoria Helene Bergemann, Jan Cönig, Slam-Organisatorin Andrea Hermes von der Stadtverwaltung, Hallendirektor Frank Baake und Moderator mario el toro.


26.02.2018 - Poetry Slam

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