09.11.2017

Postapokalypse now

Lesung war Tauchgang in die philosophische Tiefsee

Siegburg. Vier Jahre, von 2012 bis 2016, schrieb Thomas von Steinaecker (40) an seinem Roman "Verteidigung des Paradieses", das ihm eine Nominierung für den Deutschen Buchpreis einbrachte.

Flugs waren seine Zuhörer auf der Siegburger Literaturbühne in der Bibliothek drin im postapokalyptischen Szenario. Hauptfigur Heinz, der die Weltliteratur als Menschheitsschatz in sich trägt, kämpft in einer Mondlandschaft ums nackte Überleben, dabei bedroht und begleitet von allerlei Science-Fiction-Kreaturen. Der Roman birgt den Perspektivwechsel: Flüchtlinge kommen nicht nach Deutschland, sondern eine kleine Gruppe Deutscher muss aus ihrem Land fliehen. Da Steinaecker die Arbeit 2012 begonnen und 2016 fertiggestellt hat, war sie nicht von der Flüchtlingskrise inspiriert, vielmehr gewann das Buch durch die epochalen Ereignisse an Bedeutung. Im Gespräch mit Jürgen Röhrig, Leiter der gemeinsamen Siegburger Redaktion von Anzeiger und Rundschau, wurde deutlich, dass Steinaecker mit einem klar konstruierten "Drehbuch" arbeitet, aber auch erlebt, dass Figuren zu leben beginnen, eigenständig werden, was ihn gleichzeitig fasziniert und ängstigt. Moderator Röhrig gelang es, die Persönlichkeit des Gastes herauszuarbeiten, eine enge Beziehung zwischen Publikum und Autor herzustellen, den Blick auf philosophische Themen zu richten: Wie wichtig ist der Glaube in lebensbedrohlichen Situationen? Was sichert das Überleben? Was macht einen Menschen aus, wenn das Schutzschild der Zivilisation wegbricht? Welche Bedeutung hat die Literatur, ist sie ihrer Zeit voraus oder bleibt sie hinter ihr zurück? Zwei längere Passagen trug von Steinaecker vor, entpuppte sich als geübter und überzeugender Vorleser. Ein besonderer Abend, bei dem die Chemie zwischen dem hochveranlagten Schriftsteller und den ihn befragenden Journalisten spürbar stimmte und sich das Publikum rege beteiligte.


09.11.2017 - Steinaecker

Steinaecker