24.01.2018

Grenzerfahrungen der Werwölfe

Kinderheim Pauline war eine Woche auf deutsch-deutschem Wanderweg

Siegburg. Im Herbst 2017 begab sich das Kinderheim Pauline von Mallinckrodt auf den südlichsten Teil des Wanderwegs entlang der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze.

Die Reise begann im Dreiländereck zwischen Tschechien, Bayern und Sachsen und endete im oberfränkischen Tettau. Pro Tag marschierten die Jugendlichen mit den Pädagogen 13 bis 23 Kilometer, insgesamt legte die Gruppe in einer Woche eine Strecke von 91 Kilometern zu Fuß zurück. Teilnehmerin Jaqueline Israel (16) berichtet: "Die erste Nacht war die einzige, in der wir ein Zelt aufschlagen mussten. Sie war kurz und ziemlich kalt, trotz Schlafsack und warmen Klamotten. In den folgenden Nächten sorgten die Mitarbeiter dafür, dass wir in Turnhallen oder Festsälen schlafen konnten. Während wir wanderten, transportierte das Team, welches sich auch um die Unterkünfte kümmerte, unser Gepäck zu den nächsten Schlafplätzen und versorgte uns mit Essen. Abends, wenn wir ankamen, waren wir sehr müde, trotzdem spielten wir noch "Werwolf". In dem Rollenspiel kämpfen Werwölfe und Dorfbewohner gegeneinander. Die Spezies, die als erstes "ausgelöscht" ist, hat verloren. Wobei es natürlich friedlich bleibt - ist schließlich ein Spaß, wenn auch mit Ernst betrieben. Die schwerste Etappe mit einem Berg als Höhepunkt stand in der Mitte der Woche an. Ich hatte Probleme mit der Hüfte, was mir das Laufen erschwerte, andere kämpften mit großen Blasen oder schmerzenden Gelenken. Ich habe gemerkt, wie stark eine Gemeinschaft werden kann. Ich habe und ich wurde motiviert. An dem Tag überschritten viele ihre persönliche Grenze und erreichten durch Teamgeist und Zusammenarbeit den Gipfel des Berges. Hier flossen sogar einige Tränen der Erleichterung, der Erschöpfung, des Glücks. Auf dieser Reise sind wir nicht nur gewandert, sondern haben auch einen Einblick in die DDR-Zeit bekommen. Wir sind auf dem Weg gelaufen, den die Soldaten an der Mauer liefen. Ein kleiner Teil der Mauer stand auch noch, dort ist heute ein Museum. Die Betreuer sprachen mit uns über die Zeit der Teilung, wir haben eine Menge gelernt. Wir kamen auch an einem KZ namens "Laura" (Außenstelle von Buchenwald, die Red.) vorbei, welches zur Gedenkstätte umgewandelt wurde. Einige von uns haben sich dort umgesehen und tauchten ein in eine Zeit noch vor der Teilung Deutschlands. Der Abschied am Ende war sehr emotional, jedoch freute sich jeder auf sein Bett in Wolsdorf. Auf der Wanderung entdeckten wir viele neue Seiten an den anderen und uns selbst. So kannten wir uns am Anfang nicht!"


17.01.2018 - Kinderheim-Grenzwanderung

Kinderheim Pauline auf deutsch-deutschem Wanderweg