
Siegburg. Shopping-Center in Siegburg. Was erwartet sich die Stadt von der diskutierten modernen Einkaufsgalerie? Wo soll sie entstehen, in welcher Dimension? Aktuell sind vier Investoren, allesamt Experten auf dem Gebiet Projektentwicklung, an der Errichtung eines rund 15.000 Quadratmeter umfassenden Einkaufszentrums in der Siegburger City interessiert. Unter ihnen auch die Hamburger ECE, Marktführerin mit rund 10.000 Geschäften in 14 Ländern. Im Oktober 2008 hatte sie als erste Interessentin in einer gemeinsamen Pressekonferenz ihre Vorstellungen dargelegt. "siegburgaktuell" berichtete ausführlich. Seitdem laufen intensive Gespräche, um den Planungs- und Entwicklungsprozess für die Innenstadterweiterung in einem offenen Dialog mit Interessenten, Einzelhändlern, Grundstückseigentümern und der interessierten Öffentlichkeit voranzutreiben. Die Galerie in dezentraler Lage zu errichten, birgt Risiken. Der klare Trend: Ansiedlung im Innenstadtkern, in sogenannter "1a-Lage". Doch dazu bedarf es eines größeren Areals, was auch das jüngste Einzelhandelsgutachten belegt. Bürgermeister Franz Huhn betont: "Siegburg jetzige Flächen sind auch im Hinblick auf die Konkurrenz in Troisdorf und Sankt Augustin nicht zukunftsfähig." Nur sieben Anbieter haben Verkaufsflächen von über 800 Quadratmetern, 44 Geschäfte weniger als 100. Keine Chance für große Ketten wie "H&M", "New Yorkers" oder "Peek und Cloppenburg". Wenig Resonanz brachte ein Schreiben Huhns an alle Grundstückseigentümer in 1a-Lage, ob sie bereit seien, durch Umbau oder Zusammenlegung größere Angebotsflächen zu entwickeln. Die Investoren suchen derzeit weiter intensiv nach Umsetzungsmöglichkeiten.
Einen Katalog von Anforderungen und Kriterien für eine Einkaufsgalerie in zentraler City-Lage legte Bürgermeister Franz Huhn gestern gemeinsam mit Planungsdezernentin Barbara Guckelsberger vor. Darin berücksichtigt sind städtebauliche Aspekte, Verkehrsfragen und die Sicherung des Denkmalschutzes. "Historische Strukturen unter Beibehaltung der kleingliedrigen Fassaden mit ihren denkmalgeschützten Gebäuden" zu bewahren, ist ein Punkt des Anforderungsprofils für Siegburg Zukunft. Historisch gewachsene Wegeverbindungen sollen erhalten, die Stadtmauer im Erscheinungsbild bewahrt und die starke und einladende Außengastronomie an der Marktpassage gesichert bleiben. Das Problem des Autoverkehrs im Teilstück Kaufhof/Burggasse sei zu lösen; attraktive Fußwege für die Käufer von Kaiserstraße, Marktpassage, Nogenter Platz oder Orestiadastraße von Bedeutsamkeit. Weitere ausgewiesene Bereiche der Fußgängerzone und der Schutz von Anliegern vor zusätzlichem Verkehr sind ebenfalls Punkte. Keinesfalls, betonte Huhn, dürfe das Einkaufszentrum zu einem optischen "Fremdkörper" geraten. Auf die Erhaltung des wertvollen Baumbestandes sei genauso zu achten wie auf die Vorgaben der Erhaltungssatzung Kaiserstraße. Eine Einbindung des Centers in den Innenstadtkern dürfe keine Verdrängungswirkung haben, sondern müsse eine entscheidende Aufwertung sein. Auch das Rathaus könnte in die Planungen einbezogen werden, ebenso das Schützenhaus, das "Bartmännchen" in der Burggasse, die Marktpassage. Huhn schwebt eine enge Kooperation zwischen einem Shopping-Center und der Geschäftswelt vor: Gemeinsame Aktionen, gleiche Öffnungszeiten, abgestimmte Werbekonzepte. Ein Investorenwettbewerb sei wegen knapper Flächen nicht machbar.
Die Errichtung eines Shopping-Centers in der Siegburger Innenstadt und damit eine entscheidende Frage für die Zukunft der Kreisstadt als Einkaufszentrum der Region ist das Thema einer öffentlichen Veranstaltung am Freitag, 29. Januar, 19 Uhr, im Stadtmuseum. Bürgermeister Franz Huhn lädt alle Interessierten zu einem Informationsaustausch im offenen Dialog ein. Vertreter der vier potenziellen Investoren sind anwesend, stellen sich den Fragen der Zuhörer.