
Siegburg. Schon im Mittelalter zogen die Jakobspilger aus dem Norden und Osten Europas ins ferne Nordspanien nach Santiago de Compostela. Das könnte bald wieder der Fall sein:
In seinem Buch "Wege der Jakobspilger" hat Dr. Walter Töpner die alte Pilgerroute wieder entdeckt und neu beschrieben. Quer durch Deutschland, von Magdeburg an der Elbe nach Köln oder Bonn am Rhein durchqueren die Pilger, teilweise auf alten Kaiser- und Handelsstraßen wie zum Beispiel dem Hellweg oder der Heidenstraße, die alten Handelsstädte Magdeburg, Goslar, Paderborn, Attendorn sowie Köln und Bonn. Auch Siegburg ist Etappenpunkt an dem neuen Fernwanderweg. Denn die heutige Kreisstadt war seinerzeit für die Pilger eine wichtige Station auf ihrem langen und beschwerlichen Weg zum Grabe des Apostels Jakobus.
Siegburg war im Mittelalter ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt, denn hier strömten mehrere Verkehrswege zusammen, wie der aus dem Norden von Paderborn kommende Heerweg oder die Wege aus dem Aggertal und dem Siegtal. Die 1064 durch Erzbischof Anno II. gegründete und von ihm "vielgeliebte Stadt", in der er sich bis zu seinem Lebensende mehrfach aufhielt, wurde von ihm mit reichen Schenkungen bedacht und zu seinem Begräbnisort erwählt. Weil sich an seinem Grab zahlreiche Wunder ereignet hatten, wurde Anno II. 1183 im Beisein von angereisten Botschaftern des Papstes heilig gesprochen. Seither ist das Grab Ziel vieler Pilger.
In der Kirche des von Anno selbst noch gegründeten St. Michaelklosters befindet sich der von Nikolaus von Verdun angefertigte Schrein mit seinen Gebeinen, der als ein Hauptwerk der rheinisch-maasländischen Goldschmiedkunst gilt und jetzt nach seiner Restaurierung in neuem Glanz erstrahlt. Dieses Anno-Grab hatte eine so große magische Anziehungskraft, dass durchziehende Jakobspilger es wohl nicht ausgelassen haben werden. Für den Besuch eines Heiligengrabes nahmen Jakobpilger gerne größere Umwege in Kauf, denn der Besuch solcher heiliger Orte unterwegs war ihnen eine geradezu auferlegte Pflicht. In der Benediktinerabtei konnten durchziehende Pilger zudem Aufnahme, Pflege und ein Obdach finden. Die mittelalterliche Erlebniswelt der Pilger spiegelt auch der Kirchenschatz von St. Servatius wider, der von Erzbischof Anno II. in der zweiten Hälfte des 11. Jh. angelegt wurde, um den Bestand der Stadt und des Benediktinerklosters für alle Zeit zu sichern. Vergoldete, mit kostbaren Steinen verzierte Schreine, kleine Reliquienkästchen, Tragaltäre mit blauen Emailplättchen aus Limoges geschmückt, liturgische Gefäße, kostbare Stoffe aus Samt und Seide und vieles mehr sind Zeugen einer Zeit, die an die magischen Kräfte dieser heiligen Gegenstände glaubte.
Östlich des Rheins sind jetzt Siegburg, Vilich, Schwarzrheindorf wichtige Stationen am neuen Jakobsweg, der nach Bonn am Rhein führt und von dort in die Eifeler Route mündet. Jedes Jahr lockt der Jakobsweg wieder Tausende von Menschen an. Wer ihn mal näher kennen lernen will, hat in Siegburg dazu Gelegenheit. Dort liegt er direkt vor der Haustür.
Pilgern auf dem Jakobsweg wird nicht nur in Spanien, sondern auch hierzulande, wie jüngst der Entertainer Hape Kerkeling bewies, immer populärer. Nachzudenken, neuen Mut, neue Kraft und neue Einsichten zu tanken, sind nur einige Ziele der Pilger auf dem Weg zu sich selbst und zum heiligen Jakob.
Bis zum Jakobsgrab sind es von Siegburg aus rund 2.000 km. Ein altes Sprichwort weiß: "Die längste Reise beginnt mit dem ersten Schritt!" Und der ist in Siegburg in Richtung Völkerverständigung längst getan.
Buchtipp: Walter Töpner: Wege der Jakobspilger (Band 1) – Magdeburger Börde, Harz, Solling, Sauerland, Rheinland; 256 Seiten mit zahlreichen Abbildungen, Format: 14 x 22,5 cm, Paulinus Verlag, Trier, ISBN 3-7902-1316-0, 19,90 Euro.