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Das Bild zeigt einen heranfahrenden ICE-Zug, der neben der Abtei Michaelsberg zu sehen ist.

Kreisstadt Siegburg



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Historische Ansicht von SiegburgHistorische Ansicht von Siegburg
30.07.2006

Stadtteil mit Bahnhofsgeschichte

100 Jahre Siegburg-Zange



Bier, Wein, Musik: Der Bröltalbahnhof war beliebter Treffpunkt

Siegburg. Mit einem bunten Bürgerfest feiern die Zanger Vereine vom 11. bis 13. August die 100-jährige Zugehörigkeit des Stadtteils zu Siegburg. Am 1. Juli 1906 waren die zur damaligen Bürgermeisterei Menden gehörenden Ortschaften Zange und Hornpott nach Siegburg eingemeindet worden. Der auf der Rückseite des hochmodernen ICE-Haltepunkts liegende Stadtteil hat eine eigene Bahnhofsgeschichte. Stadtarchivarin Dr. Andrea Korte-Böger hat sie untersucht:

Streng genommen fand der erste Teil der Bahnhofsgeschichte vor den Toren der Zange statt; denn das Bahnhofsgelände samt der Gleistrasse und des in den Jahren 1856-58 erbauten ersten Siegburger Bahnhofes lagen natürlich auf Siegburger Stadtgebiet, und dazu sollte die Zange noch 50 lange Jahre nicht gehören.

Wie der Stadtplan aus dem Jahre 1904 zeigt, führte die Siegburger Straße, nach der Eingemeindung umbenannt in Katharinenstraße, auf ebenerdigem Niveau über die Gleise. Das änderte sich 1913, als der gesamte Gleiskörper angehoben und auf einen Damm verlegt wurde. Links neben dem alten, sicherlich durch eine Schranke gesicherten Bahnübergang Mahrstraße, entstand die bis heute existierende Unterführung, damals mit einer Breite von 10 Metern angelegt. Außerdem, so erfahren wir aus der Zeitung: „Zwischen Bonner- und Katharinenstraße wird an dem Neubau des Eilgutschuppens vorbei eine neue Zufuhrstraße angelegt.“ Wenig später erhielt sie den Namen Ladestraße, viele Jahre später den Namen Konrad-Adenauer-Allee.

Im Jahre 1899 bekam auch die Zange einen eigenen Bahnhof, den Bröltalbahnhof, der heute nur noch von alten Photographien überliefert ist. Der Zanger Bahnhof gehörte zu einer Privatbahn, deren Anfänge in das Jahr 1860 zurückreichten. Als „Aktien-Kommandit-Gesellschaft Friedlieb Gustorff & Co“ gegründet, hatte sie sich zur Aufgabe gesetzt, die im Niedersaurenbacher Tal geförderten Erze sowie die bei Schönenberg gebrochenen Kalksteine zur Weiterverarbeitung erst einmal bis zum Eisenbahnanschluss nach Hennef zu bringen und von dort aus weiter nach Friedrich-Wilhelms-Hütte transportieren zu lassen. Die begrenzen finanziellen Mittel der Gesellschaft, aber auch die schwierigen topographischen Verhältnisse im Bröltal verboten die Anlage einer Bahn in normaler Spurbreite (1435 mm); die mit einer eigenen Trasse einen enormen Kostenaufwand erfordert hätte. So bediente man sich der Straße, deren Mitbenutzung aber nur einer Kleinbahn mit einer erheblich schmaleren Spurbreite (785 mm) gewährt wurde.  Da sich das ursprüngliche Konzept des reinen Güterverkehrs nicht bewährte, wurde 1868 eine Streckenverlängerung bis Waldbröl gebaut und das Bähnchen auch in den Dienst der Personentransports gestellt. Weitere Erweiterungen erfolgten, an deren Ende die Eröffnung am 18. August 1899 für die Strecke Niederpleis-Siegburg stand, zu der der Bröltalbahnhof gehörte. In den ersten zehn Jahren des Betriebs wurden die kleinen Waggons, auf ihren Schmalspurschienen laufend, übrigens nicht von Lokomotiven, sondern von Pferden über die Strecken gezogen. Im September des Jahres 1870 hielt auch auf der Schmalspurbahn der Fortschritt Einzug und die Züge auf der Strecke wurden nunmehr mit „Dampf“ betrieben, die Pferde d durch Lokomotiven ersetzt.  Die Landbevölkerung hielt von diesem Dampf, Funken und Qualm spuckenden Ungetüm, das noch dazu so viel größere Lasten ziehen konnte, als die bekannten Pferde, anfänglich recht wenig. Um eine Akzeptanz zu erreichen, sicherlich aber auch, um Bedarf zu erwecken, ließen sich die Betreiber eine zugkräftige Werbung einfallen: Der Personentransport wurde gratis angeboten. Nach zwei Jahren 1872 war es mit dieser freundlichen Maßnahme aber vorbei.


Umbauarbeiten 1914 an der Bonner Straße

Mit dem Bau des Bröltalbahnhofes auf der Zange verfolgten die Betreiber der Privatbahn zwei Ziele. Zum einen wollte man zusätzlich eine Umschlagmöglichkeit für den nach wie vor bedeutenden Gütertransport von der Schmalspurstrecke auf die Staatsbahn schaffen, zum anderen sollte die Kreisstadt an den Personenverkehr angeschlossen werden. Das Bahnbetriebsgelände umfasste auf der Zange das große Areal und reichte von der Katharinenstraße bis fast zur Bonner Straße; seitlich begrenzt wurde es durch das Bahnhofsgelände der Staatsbahn und durch die Ludwigstraße.

Anfangs wurden die Güter, Erz- und Gesteinsbrocken von Hand aus den Waggons der Bröltalbahn in die Normalspur-Waggons der Staatsbahn umgeladen, ein nicht nur zeit- sondern auch überaus kostenaufwendiges Verfahren. 1901 wurden deshalb in Siegburg am östlichen Ende des Bahnbetriebsgeländes Vorrichtungen geschaffen, mit denen die Normalspurwaggons über Rollböcke schnell umgesetzt werden konnten. Die Waggons der Staatsbahn konnten auf diese Weise bereits in den Steinbrüchen beladen und brauchten in Siegburg wie auch in Hennef nur noch auf Normalspurgleise umgesetzt zu werden. Auf dem Gelände befanden sich auch Lager für Schienen, Weichen, Schotter, Schwellen sowie Petroleum, eine Wasserentnahmestelle für Lokomotiven, Rangiergleise sowie eine Freiladerampe an der Katharinenstraße.

Der Bröltalbahnhof war aber nicht nur als bloßes Funktionsgebäude bei der Bevölkerung bekannt. Große Beliebtheit erfreuten sich an den Wochenenden die Veranstaltung mit musikalischer Umrahmung, die von der Betreiberfamilie der Bahnhofwirtschaft, Hardung, in Eigenregie angeboten wurden.  1921 wurde die „Brölthaler Bahn AG“ in „Rhein-Sieg-Eisenbahn-AG“ umbenannt worden. Die wachsende Motorisierung des Straßenverkehrs zu Beginn der 50er Jahre schuf der Rhein-Sieg-Eisenbahn besonders bei der Personenbeförderung eine starke Konkurrenz. Um das Unternehmen zu retten, wurden Omnibuslinien eingerichtet, die mit eigenen Bussen bedient schneller waren und mehr Orte erreichten. Die Bahnhöfe, auch der in Siegburg, verloren allmählich an Bedeutung. Als Anfang der 50-er Jahre auch der Lastenverkehr auf der Strecke immer mehr abnahm, war abzusehen, daß mangels Rentabilität eine Stilllegung des gesamten Bahnbetriebs eine reine Frage der Zeit sein würde.                                                                                                                                                                                                                                                                            

Im Jahre 1954 war es dann soweit. Der Betrieb auf der Strecke Niederpleis-Siegburg wurde eingestellt, das Gelände an den Kreis verkauft. Am 11. Oktober 1963 meldete der Kölner Stadtanzeiger in einer kurzen Notiz mit großem Bild „Dieser Trümmerberg war der Bröltalbahnhof.“


Bröltalbahnhof 1903, die Siegburger Straße (heute Katharinenstraße) verläuft in der linken Bildhälfte ebenerdig in die Bahnhofstraße, die Unterführung Mahrstraße entstand erst 10 Jahre später