Gerta Fietzek-Kröll
Harvest-Installation
20.12.2003 - 01.02.2004
Gerta Fietzek-Kröll
Vinkelgasse 19
53332 Bornheim
Studien (Kunst und Design): an den Hochschulen für Bildende Künste in Kassel und Stuttgart, Alanus-Hochschule Alfter
Stipendium: University of Iowa City, USA
Lehrtätigkeit: Heilpädagogisches Institut Köln und Waldorfschule Bonn
Veröffentlichung: "Kinder kneten Ton" im DuMont Buchverlag Köln
Herstellung: Design und Produktion von VAR-EL VARiable ELemente
Ausstellungen: Im In- Ausland, u.a. Bienale Rio de Janeiro, Kölner Kunstmarkt
Auszeichnungen: Bundespreis "Gutes Design" / Erster Preis des Bundesverbandes der Deutschen Industrie
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Gerta Fietzek-Kröll findet ihr künstlerisches Ausgangsmaterial, das sie zu komplexen Kunstwerken zusammenfügt, in der Natur. Der gemeinsame ästhetische Nenner der Materialien ist das Element der Verfalls. Die Natur ist abgestorben und verwelkt, und dennoch übt sie eine merkwürdige Faszination aus und hat eine haptische Qualität. Jenseits des ästhetischen Zugangs ist die Kunst von Gerta Fietzek-Kröll inhaltlich eingebunden in den kunsthistorische Diskurs um das Miteinander und Gegeneinander von Natur und Kunst. Unter Verwendung "natürlicher" Materialien versucht die Kunst nicht mehr Naturabzubilden, sondern macht die Natur zum Teil des Kunstwerkes. Das Arbeiten mit "natürlichen Bausteinen" soll helfen, die "natürliche Unnatürlichkeit" des künstlerischen Schaffens, seine Künstlichkeit zu überwinden. Andererseits beschreibt Gerta Fietzek-Kröll mit ihren Arbeiten auch aktuelle Fragen der Umweltpolitik. Die Installation "Harvest", die im Mittelpunkt der Ausstellung im Siegburger Stadtmuseum steht, ist ein typisches Beispiel dafür. "Harvest" ist ein Feld aus scheinbar ästhetischen, wohlgeordneten Getreidehalmen. Bei genauerer Betrachtung entpuppen sich die Halme als totes Material, das nicht auf fruchtbarer Erde, sondern auf instabilen Mehlsäcken steht. Im Vergleich zum Vorbild in er Natur hat diese Installation ihre Abbildhaftigkeit verloren. Gerta Fietzek-Kröll hat sie nicht zuletzt als politische Aussage konzipiert. Anlass für "Harvest" war eine der Perversionen moderner Agrarindustrie": In immer größerem Umfang werden ertragreiche Getreidesorten gezüchet, deren Monopol den Patentinhabern unterliegt. Durch globale Handelsabkommen werden die Bauern weltweit zur Abnahme dieser gentechnisch veränderten, "tauben" Pflanzen gezwungen und geraten in eine unheilvolle Abhängigkeit zu den Lieferanten. "Harvest" ist damit auch eine Auseinandersetzung mit den zynischen Mechanismen weltweiten Wirtschaftens. Vergleichbare Ansätze verfolgt Gerta Fietzek-Kröll auch bei ihren Arbeiten mit Wolle. Auch hier geht es nicht nur um das Erleben des "natürlichen" Stoffes. Es geht auch um den widernatürlichen Umgang des Menschen mit diesem über Jahrhunderte wesentlichen Rohstoff, der heute in weiten Teilen Deutschland nach dem Scheren als Sondermüll entsorgt wird, weil es fast keinen Markt mehr dafür gibt. Auch die Arbeiten mit Wachs und toten Bienen wie die "Apis-Altäre" haben neben dem künstlerisch-ästhetischen einen umweltpolitischen Aspekt: Der Fortbestand der inzwischen hochgezüchteten und in einem weitestgehend künstlichen Umfeld lebenden Bienen ist durch die Varroa-Milbe gefährdet, der sie praktisch ausgeliefert sind. Auch hier rächt sich menschliches Handeln an einem Tier, das der Menschheit seit ihren Anfängen dienlich gewesen ist. Die weltweite Vereinheitlichung des gesamten Systems verschließt der denaturierten Natur die Auswege, die die Evolution möglicherweise bieten könnte, und macht das System insgesamt anfällig. Für den kurzfristigen Züchtungserfolg wird die natürliche Vielfalt von Flora und Faune gefährdet, die die Existenzgrundlage menschlichen Lebens darstellt. Das politische Anliegen der in Bornheim lebenden Künstlerin Gerta Fietzek-Kröll ist jedoch so vielfältig mit ihrem ästhetischen und kunstsystematischen Programm durchwoben, daß es bei aller Eindeutigkeit nie dominiert, sondern sich der Kunst als sinnvolle Ergänzung beigesellt.
Amaryllen, mumifiziert, Details (Amaryllen zwischen Mull mit Knochenleim geklebt)